aktuelle Projekte

Inkubation. Theorie und Praxis im antiken Judentum

Bei der Inkubation handelt es sich um eine spezielle Praxis der Divination, bei der ein Traum nicht spontan erlebt, sondern erwünscht und aktiv herbeigeführt wird. Der westlichen Wissenschaft wurde sie zuerst durch die Zeugnisse aus den altgriechischen Heilkulten bekannt, welche vom 5. Jh. v. Chr. bis in frühchristliche Zeit florierten und eine so große Wirkung erzielten, dass sie bruchlos in die christliche Heiligenverehrung übernommen wurden und sogar bis in moderne Zeiten fortlebten. Die griechischen sowie die aus der „Spätzeit“ Ägyptens bekannten Varianten prägten lange Zeit unser Verständnis und unsere Definition von Inkubation. Inzwischen hat die altorientalistische Forschung vielfältige und zum Teil wesentlich ältere schriftliche Zeugnisse aus Mesopotamien, Ugarit und dem Hethiterreich beigebracht. Ob und wie in bestimmten Überlieferungsschichten der biblischen Literatur Inkubationen literarisch nachweisbar sind und ob im Alten Israel und antiken Judentum Inkubation tatsächlich praktiziert wurde soll die anvisierte Untersuchung klären.

 

„Was vom Himmel auf die Erde kommt.“

Eine Spurensuche nach mythischen Stoffen in der Literatur des antiken Judentums und frühen Christentums und der Ikonographie des antiken Palästina / Israel

Eine der Initiativen zur Mythosforschung, die von Prof. Dr. Annette Zgoll (Altorientalistik) und Dr. Christian Zgoll (Klassische Philologie) ausgehen, ist das Collegium Mythologicum, eine Gruppe von Wissenschaftler(inne)n und Doktorand(inn)en verschiedener Disziplinen, die sich von den reichhaltigen mythischen Texten der altorientalischen und anderen antiken Überlieferungen herausfordern lassen und im fächerübergreifenden Austausch Fragestellungen, methodische Herangehensweisen und neue Erkenntnisse zu solchen Mythen testen.

 

Tertium datur.

Grenzfälle und Grenzgänger im hellenistischen Judentum

Architektonische, ikonographische, literarische und epigrafische Zeugnisse aus hellenistischer Zeit spiegeln vielfältige Szenarien transkultureller Interaktion zwischen Juden und ihrer Umwelt. Ich untersuche archäologisch rekonstruierbare oder literarisch belegte Beispiele interessanter Grenzüberschreitungen. Sie zeigen einen überraschend aktiven und kreativen jüdischen Umgang mit den Herausforderungen des ab dem 4. Jh. v.Chr. einsetzenden Hellenisierungsprozesses. In der Dynamik wechselseitiger Beeinflussung und Interaktion entstanden vielfältige Phänomene von Hybridität. Ich versuche daher, das kulturwissenschaftliche Konzept der Entangled Histories (Verflechtungsgeschichten) bzw. Entanglement (Verflechtung) auf die Geschichte des antiken Judentums anzuwenden.

Das Projekt wurde von 2009-11 im Rahmen des Universitären Forschungsschwerpunkts «Asien und Europa» der UZH gefördert (zum Eintrag in der Forschungsdatenbank).

 

Biblisches Arbeitsbuch für Soziale Arbeit und Diakonie

zusammen mit T. Popp, A. Hentschel und K. Scholtissek, Hrsg. geplant 2017.

Für Diakoninnen und Diakone sowie andere Berufsgruppen in Soziale Arbeit und Diakonie existiert kein Pendant zum alttestamentlichen bzw. neutestamentlichen Arbeitsbuch für Religionspädagoginnen und Religionspädagogen.

Daher soll nun ein entsprechendes, gesamtbiblisches Arbeitsbuch mit dem für die Evangelische Hochschule Nürnberg kennzeichnenden Theorie-Praxis-Konnex projektiert werden.

 

Ganzheit und Fragment

Aufsatzband zu anthropologischen Fragestellungen, zusammen mit T. Popp und R. Frisch, geplant 2017.

„Zu schlecht für einen Gott; zu gut fürs Ungefähr.“

G.E. Lessing, Fragmente über die Religion

 

abgeschlossene Projekte

Wörterbuch alttestamentlicher Motive

hrsg. zusammen mit M. Fieger und J. Krispenz, Darmstadt 2013.

Das Wörterbuch … strebt in den Artikeln eine Darbietung an, die literaturwissenschaftlichen Anforderungen genügt: Das Lexikon wendet sich in erster Linie an Nicht-Theologen, an Literaturwissenschaftler oder Kunsthistoriker, die in ihrer Arbeit mit alttestamentlichen Motiven konfrontiert sind, dabei aber zunehmend Mühe haben, diese Motive zu erkennen und zuzuordnen, da die Kenntnis biblischer Texte allgemein abnimmt. Das Lexikon ist gedacht als Hilfsmittel, das an dieser Stelle den Weg zu den alttestamentlichen Texten erleichtern soll. (J. Krispenz).

 

Erschaffung und Zerstörung der Schöpfung.

Ein Beitrag zum Thema Mythos

hrsg. von M. Fieger und J. Lanckau, Das Alte Testament im Dialog 4, Bern (Peter Lang) 2011.

Der interdisziplinär ausgerichtete Band  vereint nach einer thematischen Einführung literaturwissenschaftliche, ägyptologische und bibelwissenschaftliche Perspektiven. Er möchte als Beitrag zur kulturgeschichtlichen Arbeit am Thema des Mythos verstanden werden.

Heinrich Reinhardt: Was ist ein Mythos? Eine Hinführung zum Begriff und seiner Geschichte – Marcel Weder: Literatur als Manifestation des Mythischen – Jutta Krispenz: Am heiligen Ort. Der Hof im Tempel als mythischer Raum – Michael Fieger: Die Erschaffung der Schöpfung. Ein religionsgeschichtlicher Vergleich zwischen Enuma Elis und Gen 1,1-2,4a – Jörg Lanckau: Göttliche Reue und menschlicher Trost. Der Mythos der Zerstörung der Schöpfung und des Überlebens in der Katastrophe im Diskurs der biblischen Sintfluterzählung – Sigrid Hodel-Hoenes: Schöpfung im Alten Ägypten.

 

Der Herr der Träume.

Eine Studie zur Funktion des Traumes in der Josefsgeschichte der Hebräischen Bibel

Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments 85, Zürich (TVZ) 2006.

Die in der Bibel überlieferten Träume haben ihre Leser und Auslegerinnen schon immer fasziniert. Sie dürfen aber nicht als Traumprotokolle, sondern müssen als literarische Niederschläge des universal-menschheitlichen Phänomens Traum gelesen werden. Zudem benutzten die biblischen Autoren die literarische Gattung „Traumerzählung“, um theologische Sachverhalte auszudrücken. Damit beziehen sie auch Stellung zu der im Alten Israel zeitweilig hart umstrittenen Legitimation von Träumen als Offenbarungsmedium des Gottes Israels. Die Studie fragt somit nach den literarischen und theologischen Funktionen alttestamentlicher Traumerzählungen. Aufgezeigt wird dies am Beispiel der Josefsgeschichte, deren Gottes- und Menschenbild dazu herausfordert, erkenntnistheoretisch begründete Schwierigkeiten zu überwinden und eine theologische Dimension des Phänomens Traum wiederzuentdecken.